Schön, Anstrengend
Endlich geht es los, spannend war ja noch, wie wir mit den in Kartons gepackten Fahrrädern zum Flughafen kommen. Glücklicherweise biete ein Freund an, uns zu bringen. Rechtzeitig kommen wir an und können Gepäck und Fahrräder aufgeben. Dann erfahren wir, dass unser Flug Verspätung hat. Letztendlich werden es drei Stunden. Bei der herrschenden Hitze freuen wir uns über den klimatisierten Flughafen bis wir endlich ins Flugzeug steigen.


In Riga bekommen wir auch alles Gepäck wieder, die Fahrräder sind fix aufgebaut und der Bus nimmt uns auch problemlos mit in die Stadt. Eine kurze Fahrt bringt uns ins Hotel und wir machen sogar schon einen ersten Spaziergang in die Altstadt von Riga. Den ganzen Sonntag haben wir, um Riga zu erkunden, die Altstadt ist schön und man sieht ihr die hanseatische Vergangenheit an. Sie ist aber auch sehr touristisch und Abends haben wir den Eindruck, dass es sich viel Trinktourismus gibt. Vielleicht lag das aber auch an der WM.









Montag geht es dann endlich los, zuerst müssen wir noch in einen Outdoorladen, Gas und zwei Tassen kaufen. Dann nehmen wir einen Zug aus der Stadt, um die großen stressigen Straßen zu vermeiden. In Carnikava steigen wir aus und fahren mit den Rädern nun entlang der Gauja auf einem Deich oder kleineren Pfaden. Wir kommen an netten Picknickplätzen vorbei und kaufen erstmals in einem lettischen Supermarkt ein. Das ist immer ein spannendes Erlebnis, jedesmal müssen wir uns neu zurechtfinden und versuchen zu verstehen, was geschrieben steht. Jetzt ist es nur noch eine kurze Fahrt nach Leiputrija, den Campingplatz bei dem wir zwei Kajaks reserviert hatten. Auf der Fahrt kommen wir an Kranichen im Wald vorbei. Der Campingplatz ist schön, wir hüpfen erstmals in die Gauja und stellen schnell fest, es gibt eine starke Strömung und Bäume sind im Wasser. Am Abend kommen dann Biber raus, wir sehen einen Wiedehopf, Storch, und Wacholderdrosseln.









An die Kommunikation müssen wir uns noch gewöhnen. Abends frage ich nach dem Kajaks und ob alles klar ist. Natürlich hoffe ich auf mehr Informationen zu den zwei Tagen und was zu beachten ist, wo wir Wasser bekommen und andere praktische Hinweise. Die Antwort ist lapidar, das sei doch gebucht, dann ist ja alles klar. Gut, vielleicht liegt es auch an den Englischkenntnissen, die nicht so gut sind. Ebenso verwundert mich die Aussage von Vladis, als er und absetzt, wir sähen uns dann ja in zwei, drei Tagen. Gut, wir werden ja sehen.
Zwei Tage auf der wilden Gauja
Um halb zehn, wie vereinbart, steht Vladis mit den zwei Kajaks und dem Auto abfahrbereit da. Schnell packen wir unsere Sachen in die Packsäcke und dann geht es im Auto los. Ziel ist Leipitane, dort verabschiedet sich Vladis und wir setzen die Kajaks ein. Los geht es mit rasanter, angenehmer Strömung auf der Gauja. Sehr entspannt bei herrlichem Sonnenschein kommen wir gut voran. Wir bestaunen den wilden Wald, die steilen Uferböschungen. Aufmerksam müssen wir dennoch bleiben, liegen doch immer wieder Bäume oder Felsen im Wasser, auf die wir nicht auffahren wollen.
Übernachten wollen wir ja in einem Shelter, die es entlang des Flusses gibt. Bei einem halten wir an, um einen Eindruck zu bekommen, wie die so in Lettland sind. Und sie sind toll, meist gibt es zwei drei Shelter an einem Ort aber mit großem Abstand und jedes mit eigenem Plumsklo und Bänken und Tisch.
Bruchwasserläufer, Mehl- und Uferschwalben, Bachstelzen und viele andere Vögel begleiten unseres Gleiten durch die Mäander der Gauja. Immer wieder sehen wir beeindruckende Felsformationen. Am Nachmittag beschließen wir den Paddeltage zu beenden, bei der Leichtigkeit sollten die verbleibenden 40 Kilometer kein Problem sein.







Wir finden einen schönen Platz, der aber voll ist. Eine nette Lettin winkt uns heran und sagt, dass sie und ihre Gruppe am aufbrechen wären, es ein herrlicher Platz sei und wir ihn später für uns haben würden. Wir lassen uns darauf ein, betrachten das Treiben. Langsam gibt es auch Platz, um uns auszubreiten und Abends haben wir dann den Platz ganz für uns nur mit den Geräuschen der Natur.
Nach einer erholsamen Nacht geht es weiter, bald sind wir in Tureida bei Sigulda, dort gibt es ein Museumskomplex mit Burg. Wir halten es für eine gute Idee die Besichtigung mit unserer Pause zu verbinden. Von der Burg genießen wir einen Blick ins Gaujatal und sehen vor allem Wald und kaum Fluss.


Nach etwa zwei Stunden sitzen wir wieder in unseren Kajaks und weiter geht es flussabwärts. Langsam verändert sich die Landschaft, die beeindruckenden Klippen und Felsen weichen und immer häufiger tauchen kleine Inseln im Fluss auf. Hier kommt es darauf an, an der richtigen Seite vorbei zu fahren, um nicht in zu seichtes Gewässer zu geraten. Die Inseln entstehen auch, weil die Fließgeschwindigkeit geringer ist. Und es wird spät und später, gefühlt kommen wir unserem Ziel kaum näher. Wir sehen einen Fischadler, die ersten Biber kommen aus ihren Bauten und Kranichpaare stehen schon auf ihren Nachtplätzen auf Sandbänken im Fluss. Mit der Dämmerung kommen wir dann erschöpft bei unserem Campingplatz an. Da haben wir uns über und die Distanz unterschätzt.
Und dennoch, die Gauja ist ein wunderschöner, naturbelassener Fluss, den wir wieder paddeln würden, dann mit nicht ganz so langen Etappen.




Die Radreise beginnt
Und dann starten wir bei leichtem Regen unsere Radreise auf der nationalen Radtour sechs. Schnell kommen wir auf der frisch geteerten Straße in unseren Rhythmus. Leider währt der nicht lange. Nach wenigen Kilometern endet die asphaltierte Strecke und geht als unbefestigte Straße weiter. An sich noch nicht schlimm, allerdings wird der Weg zunehmend sandig, zuerst nur abschnittsweise dann aber ist es tiefer Sand, an fahren ist nicht zu denken. So schieben wir unsere Räder durch den feuchten Sand, die Reifen setzen dicke Sandschichten an. Der Schweiß rinnt, Fliegen und Mücken umschwirren uns während wir uns durch den Wald kämpfen. Natürlich überlegen wir, ob wir umkehren sollten, aber die Strecke wieder zurück? Vielleicht hört die Sandstrecke gleich auf? Wir entscheiden uns weiter zu fahren. Streckenweise geht es, andere Leidengenossinnen haben schon kleine Pfade durch den Wald, parallel zur Straße geschlagen, auf denen es sich fahren lässt. Letztendlich brauchen wir für etwa fünf Kilometer eine gute Stunde und sind erschöpft. Die Straße wird besser, nun wir können darauf fahren. In einem kleinen Ort finden wir einen Supermarkt in dem wir frisches Gebäck bekommen, nach viel zeigen und gestikulieren. Den Kaffee dazu gibt es in einem Automaten vor dem Supermarkt.






Gestärkt geht es weiter, größtenteils über unbefestigte Straßen, oft sind dort „Wellblech“ Rinnen eingefahren über die zu fahren sehr holprig ist. „Wackel deinen Speck“ bekommt eine neue Bedeutung.









Kurz vor Sigulda müssen wir aus dem Gaujatal wieder raus, die ausgewiesenen Fahrradwege führen steil aufwärts und wir greifen zu der bewährten Methode gemeinsam immer ein Rad zu schieben. In Sigulda kommen wir an der berühmten Bobbahn vorbei, können in einem Supermarkt einkaufen und in einer Konditorei Kaffee und Kuchen essen. Aber wir merken auch, dass das aufmerksame Fahren auf den Pisten und das ständige hoch und runter über die Hügel sehr anstrengend ist. Letztendlich schaffen wir es bis Leipitane, finden einen sehr schönen Shelter und baden in der Gauja. Eigentlich wollten wir bis Cesis fahren, nun gehen wir die etwa 30 Kilometer am nächsten Tag an.

Wieder sind die Straßen größtenteils unbefestigte und wie merken, wie anstrengend das Fahren über die letzten ist. Wir müssen uns sehr auf den Weg konzentrieren und sind viel langsamer als gewohnt. Also bleiben wir in Cesis, finden eine sehr schöne Unterkunft in einem alten Herrenhaus, besichtigen die riesige Burg, besteigen alle vorhandenen Türme, warten im Museum das Unwetter ab und genießen ein leckeres Abendessen, eine warme Dusche und ein Bett.







Aber wie weiter? Mit dem Zug könnten wir bis Tartu in Estland und dort den Radreise eine neue Chance geben.
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