Wilde Bären und rollende Räder

Estland
Bis nach Tartu fahren wir problemlos mit dem Zug, Fahrräder in Zug mitnehmen ist gar kein Problem. Tartu ist die zweitgrößte Stadt Estland und die älteste Universitätsstadt. In der berühmten Konditorei Werner genehmigen wir uns ein zweites Frühstück während es draußen regnet und wir beschließen in Tartu zu bleiben. Eine Unterkunft ist schnell gebucht und in der Touri-info können wir unser Gepäck lassen, bis wir einchecken können. Mit dem Fahrrad erkunden wir die Stadt, auffällig viel Kunst und Street Art gibt es, ein Suppen-Viertel, in den die Straßen nach Gemüse benannt sind, etwas Kartoffel oder Lauch. Und gefällt Tartu mit seinem Mix aus Alt, Neu und Innovation.











Früh am nächsten Morgen steigen wir in den Zug bis Tamsalu, von dort haben wir etwa 50 Kilometer bis zu dem Treffpunkt für unser nächstes Abenteuer. Unsere Erfahrungen aus Lettland lassen uns ausreichend Zeit einplanen, schließlich sollen wir spätestens 16.45 Uhr vor Ort sein.



Wir sind positiv überrascht, die Straßen sind geteert, auch kleinere Nebenstraßen und wir kommen gut voran. Dabei hilft auch der Rückenwind. Verfolgt werden wir von einer Regenfront. Wir kommen durch kleine Dörfer, gut gepflegt und eine Gemeinsamkeit mit Schweden fällt uns auf. In beiden Ländern sind die Rasen immer akkurat gemäht.
Es ist sogar genug Zeit bei einem Dorf-Supermarkt anzuhalten, Kaffee und Eis zu bekommen. Das Eis essen wir bei der nahen Kirche und stellen fest, es gibt nur alte Gräber deren Inschriften fast ausschließlich auf Deutsch sind.




Eine Nacht mit dem Bären
Weiter geht es zu unserer Verabredung, etwa 10 km vor dem Ziel filtern wir uns aus einem Bach noch Wasser für die Nacht bis wir dann rechtzeitig an Treffpunkt für unsere Nacht in einem Bear-Hide zur Bärenbeobachtung ankommen. Schnell müssen wir noch Umpacken, dann geht es mit drei anderen zu Fuß zum etwa zwei Kilometer entfernten Hide. Eine Guide führt uns dort hin und zeigt auf dem Weg an einem Baum die Kratzspuren eines Bären, offensichtlich ist er dort hoch geklettert. Junge Bären machen das, um sich vor Männchen in Sicherheit zu bringen.
Es gibt zwei Hütten, wir teilen uns eine mit Anouk, die in Tallin ein Erasmussemester gemacht hat und auch aus Hamburg kommt. In der Hütte gibt Doppelstockbetten für acht Personen, ein Plumsklo und Fenster zu zwei Seiten und natürlich Stühle. Wir sollen nicht raus gehen, in der Hütte nur flüstern, keine hektischen Bewegungen und Essen sollten wir mitbringen, dort kochen geht nicht. Wann die Bären kommen, wissen wir nicht. Wir teilen uns also auf die zwei Seiten auf und beobachten, eine Person kann jeweils ausruhen.
Viertel nach fünf waren wir etwa in dem Hide, die Guide hatte und einweisen, wir uns eingerichtet, Schlafsäcke ausgerollt und einen bequemen Stuhl ausgesucht und angefangen zu warten. Ein Blick ging in den Wald, zunächst lichter Wald, etwa 20 bis 30 Meter bis der Wald richtig dicht wurde. Zur anderen Seite hatten wir einen offenen Blick auf eine weite Lichtung bis in etwa 50 Metern der Wald anfing. Keine zehn Meter vor der Hütte war ein Wassergraben.
Ein Trupp Ringeltauben sind die ersten wilden Tiere, die vorbei kommen. Ob wir auch den Sperlingskautz zu sehen bekommen? Und dann, etwa um sieben kommt aus dem Wald der erste Bär, schnüffelt, legt sich hin und Schmatz, gut zu hören über die mit Außenmikrofonen verbundenen Lautsprecher. Dann bewegt er sich, taucht wieder in den Wald ein nur um kurz darauf auf der Lichtung auf der anderen Seite der Hütte wieder auftauchen. Nun setzt wieder heftiger Regen ein, dem Bär gefällt das nicht so gut, er tollt sich bald wieder in den Wald. Aber ein zweiter Bär lässt nicht lange auf sich warten, der richtig lange bei uns bleibt, bis auf fünf Meter kommt er an die Hütte heran. Kurz vor Mitternacht schaut ein dritter Bär vorbei, er ist schreckhafter. Glücklich über das erlebte und erschöpft gönnen wir uns etwas Schlaf. Halb sieben weckt uns Anouk, ein vierter Bär beehrt uns, aber nur kurz. Es wird auch langsam Zeit zusammen zu packen, acht Uhr müssen wir auschecken und zurück zum Treffpunkt laufen. Als wir aufbrechen wollen ist ein Marderhund vor der Hütte, wir hatten ihm am Abend zuvor schon gesehen, unbeeindruckt von unserer Abreise geht er seiner Wege.












Für uns geht es aufs Fahrrad, wir haben 70 bis 80 Kilometer vor uns zur Ostseeküste ziemlich genau nach Norden. Obwohl es keine Fahrradroute ist lässt es sich auf den kleinen Nebenstraßen gut fahren. Der Wind und Regen sind unsere Herausforderung. Mittags sind wir im kleinen Ort Rakvere und machen im Restaurant Berlin Mittagspause. Während der Wind den Regen am die Scheiben treibt schätzen wir ab, wie weit wir noch kommen und welche Optionen wir für die Übernachtung haben. Unser Ziel ist der Lahemaa Nationalpark.



Silke findet die perfekte Unterkunft für uns zu einem guten Preis, das Wetter zeigt sich gnädiger und um vier kommen wir dann im Vihula Manor Country Club & Spa an. Wir richten uns schnell ein, hängen einige Sachen zum Trocknen auf, dann geht es zu unserem ersten estnischen Saunaerlebnis. Es gibt vier Saunen, von 100 Grad bis zum Dampfbad mit 60 Grad. Saunieren ist hier anders, lebhafter, die Menschen wechseln schneller Mal und ein Ruheraum ist unnötig.



Erholt undentspannt geht es am nächsten Morgen weiter in den Nationalpark. Das ist die nächste Geschichte.
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