Begegnungen, Ostsee und Tallinn

Begegnungen, Ostsee und Tallinn

20. Juli 2026 Aus Von Andreas

Gut erholt starten wir vom Country Club nach Norden, unser Ziel ist der Lahemaa Nationalpark, der älteste von Estland mit seinen Mooren. Über kleine geteerte Straßen geht es vorbei am kleinen Höfen und Ferienhäusern. Direkt an der Ostsee gibt es nur einen kommerziellen Campingplatz, den Luxus gönnen wir uns gerne.

Eine Wanderung durchs Moor machen wir am nächsten Morgen bevor wir weiter bis Tallinn radeln. Der Weg ist spanned und sehr abwechslungsreich, über die nassen Bereiche führen uns Bohlenwege bis zu einer Sanddüne mit 33 Meter hohem Aussichtsturm. Von dort entdecken wir ein Kranichpaar am Waldrand und genießen den Rundumblick. Weiter geht es auf dem sieben Kilometer langen Rundweg durch unterschiedliche Vegetationstypen und zum Teil dichten Wald.

Am Parkplatz ziehen wir die Radlerklamotten an, packen um und machen uns bereit für die Abfahrt, als Ida und Christoph schon wieder vorbei kommen. Wir hatten die beiden erstmalig in Tartu getroffen an einer Skulptur, dann wieder am Bear Hide, wo sie in der Nachbarhütte waren, auf dem Zeltplatz im Lahemaa Nationalpark und nun hier. Die beiden wohnen auch in Hamburg und wollen wie wir nach Tallinn. Für den nächsten Tag verabreden wir uns dort dann gemeinsam eine free walking Tour zu machen.

Wir müssen aber zunächst bis Tallinn kommen, also schwingen wir uns auf unsere Räder und treten in die Pedalen, etwa 60 Kilometer sind zu bewältigen und es ist schon fast Mittag. Uns hilft ein guter Rückenwind, der gelegentliche Schauer mitbringt. Bisher waren gute Pausenplätze nicht so leicht zu finden, in Bushaltestellen finden wir trockene und windgeschützte Plätze an denen wir durchschnaufen können und in unser Brot beißen.

Einen Vorstadtzug wollen wir erreichen und so die großen Einfallstraßen vermeiden, an denen sich nicht so schön fahren lässt. Dafür müssen wir pünktlich ankommen. 15 Minuten vor Abfahrt des Zuges kommen wir am Bahnhof an, auch weil wir einen Schnitt von 20 km/h schafften. Fahrkarten können wir problemlos im Zug kaufen, Fahrräder kosten nichts und haben extra Standorte.

In Tallin haben wir für zwei Nächte ein Hotelzimmer in der Altstadt, Abends merken wir unsere sportliche Anstrengung und fallen nach Abendessen und einem ersten kurzen Spaziergang ins Bett.

Tatsächlich treffen wir Ida und Christoph bei der Tour und wir können uns weiter austauschen, vielleicht treffen wir uns in Hamburg, das wäre nett. Linn führt uns die nächsten zwei Stunden durch Tallinn, zeigt uns den estnischen Jugendstil, die Saunagasse, in der die ersten öffentlichen Bäder in Tallin waren. Neben vielen anderen Geschichten und estnischen Legenden beeindruckt uns am meisten ihre persönliche Geschichte mit der Sowjetunion. Ihr Großvater, so erzählt sie uns, wurde unter Stalin deportiert, er war bei der esthnischen Bahn Bahnhofsvorsteher. Und auch ihr Mutter würde als junge Frau für sieben Jahre in ein Arbeitslager in Sibirien deportiert, weil sie eine indizierte Zeitschrift gelesen hatte. Aber wir erfahren auch von der „singenden Revolution“ die es denn ersten ermöglicht hat ihre Sprache und Traditionen zu erhalten. Wir lernen auch, dass estnisch dem finnisch und ungarisch nahe ist. Auch von dem neuen Unabhängigkeitsdenkmal hören wir, es ist aus Glas und muss häufig gereinigt werden und der Unterhalt ist kostspielig. Anfangs hatten die Esten damit gehadert aber verstehen jetzt, dass Freiheit und Demokratie gepflegt werden müssen, ständig Aufmerksamkeit benötigen und auch etwas kostet. Das merken wir ja in Deutschland auch gerade.

Nach der Führung wandern wir noch durch das neue Tallin wo in alten Fabrikhallen die Tech Branche, Kunstprojekte, Cafés und Tourismus boomen.

In eigener Sache: Wir sind schon weiter und fast auf der Rückreise, mehr kommt noch, wenn ich wieder Zeit habe und gutes WLAN, um die Bilder hoch zu laden.

Zeit, dass wir uns wieder aufs Rad schwingen, aus der Stadt raus nehmen wir wieder den Zug bis Paldiski. Wir kaufen morgens noch einige Dinge auf dem Markt direkt neben dem Bahnhof. Und werden neben unseren Fahrrädern erstmals angesprochen, woher und wohin. Als wir Paldiski und unser Ziel die Insel Hiiumaa erwähnen bekommen wir gleich ein paar Tipps.

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