Leid und Freud der Radreise

Leid und Freud der Radreise

22. Juli 2026 Aus Von Andreas

Der Regen prasselt nicht mehr gegen die Scheibe und wir sitzen trocken und warm im Bus. Die letzten zwei Tage waren sehr nass und anstrengend. Von Riga sind wir mit dem Bus bis Ventspils gefahren, das war geplant, damit wir die restliche Strecke rechtzeitig bis zur Abfahrt der Fähre sich schaffen. Schon auf der Busfahrt kommen wir in heftigen Regen und Warnmeldungen, die aufs Handy kommen und vor Starkregen und Gewittern warnen, beunruhigen etwas. Der Regenradar zeigt die Gewitteraktivitäten aber weiter östlich. In Ventspils regnet es bei unserer Ankunft aber nicht, es ist deutlich kühler als in Riga. In einem Park essen wir noch unsere belegten Brote, packen uns regensicher ein und pünktlich zu unserer Abfahrt setzt der Regen ein.

Wir haben Nebenstraßen so weit wie möglich gewählt und zunächst ist sie auch asphaltiert aber schon bald wird es eine gefürchtete Schotterpiste, aber nicht ganz so schlecht wie zu Beginn unserer Tour und wir kommen gut voran. Unterstützung erhalten wir von einem kräftigen Rückenwind. Irgendwann endet die Schotterpiste und wir kommen auf die Verbindungsstraße nach Liepaja und damit mehr Verkehr. Glücklicherweise ist die Verkehrsdichte nicht sehr hoch. Der Regen verhindert aber, dass wir eine Pause machen können. Schließlich kommen wir an einer Lokalität vorbei, die zunächst nach einem Cafe aussieht, sich dann als Brauerei herausstellt, die aber nur einen Shop haben. Das reicht für eine Pause im trockenen, einem Malzbier und Orientierung für den nächsten Abschnitt. Zurück geht es in den Dauerregen, inzwischen sind wir von innen und außen nass, Regenwasser und Schweiß vermischen sich und es gibt Schattierungen in der Stärke des Regens und des Windes, der uns manchmal auf bis über 30 km/h anschiebt ohne große Anstrengung unsererseits. Die Autos überholen uns in der Regel mit großem Abstand dennoch sind die schnellen Autos ein Stressfaktor.

Am Nachmittag sehen wir vor uns, wie sich der Regen verdichtet, glücklicherweise ist kurz vorher ein Gasthaus. Zumindest einen Kaffee wollen wir uns dort gönnen. Von außen sieht es nach einer Biker Kneipe aus mit vielen Stickern von Motorradclubs. Als wir eintreten sehen wir einen rustikalen aber sehr freundlichen Gastraum. Jetzt regnet es in Strömen und wir fragen, ob noch ein Zimmer frei ist. Und ja, es ist noch ein Zimmer frei, es muss noch hergerichtet werden und am nächsten Tag gibt es kein Frühstück, da ist der Gasthof geschlossen. Das klingt hervorragend für uns und die Karte fürs Abendessen sieht auch gut aus. Bei einem warmen Tee warten wir auf unser Zimmer bis wir bald darauf uns duschen und trockene Sachen anziehen können. Später gibt es ein leckeres Abendessen, als Vorspeise eingelegtes Gemüse, Handarbeit von der Mutter des jungen Wirtes und alles selbst angebaut, herrlich.

Nach dem Essen nutzen wir eine kurze Regenpause zur nahe gelegenen Ostsee zu schauen. Der Wind peitscht die See an die wilde Steilküste, so weit das Auge reicht.

Nach einer erholsamen Nacht gibt es ein kleines Frühstück, der Wirt hatte uns sogar noch einen kleinen Wasserkocher bereit gestellt. Dann geht es wieder auf die Straße, zunächst sogar ohne Regenhose.

Schon bald müssen wir die aber wieder anziehen. Der Wind schiebt immer noch kräftig. Mittags biegen wir von unserer Strecke ab, etwa drei Kilometer fahren wir zum kleinen Örtchen Pavilosta, zumindest das Hotel Otto soll offen haben und hoffentlich einen Kaffee für uns. Vorher finden wir aber ein kleines Surfcafé.

Als wir uns aus unseren nassen Regensachen pellen ernten wir mitleidige Blicke. Wir bekommen ein leckeres Mittagessen und eine gute Pause bevor es wieder in Wind und Regen weiter geht bis Liepaja. Als wir ankommen lässt der Regen nach, aber wir sind trotzdem durch und brauchen eineinhalb Stunden bis wir uns für ein Hotel entscheiden können. Frisch geduscht können wir noch eine Entscheidung treffen, den nächsten Abschnitt überbrücken wir wieder mit dem Bus, um die viel befahrene Straße und den Stress mit dem Verkehr zu vermeiden. In Palanga geht unsere Fahrradreise dann weiter.

Und ja, das Erlebte dazwischen kommt auch noch.

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