Riga und Litauen

Riga und Litauen

2. August 2026 0 Von Andreas

Auf der Fahrt nach Riga sehen wir uns bestätigt, dass es eine gute Idee war, den Bus zu nehmen anstatt die Strecke mit dem Fahrrad zu fahren. Zwar gibt es anfangs ein Fahrradweg, aber dann werden die Radreisenden auf die in beide Richtungen stark befahrene Straße geleitet. Tatsächlich sehen wir aus dem Bus auch Radreisende auf der Straße und wie eng der Verkehr sie überholen muss, wenn der Gegenverkehr kein größeres Ausweichen erlaubt.

Wir kommen mit dem Bus wohlbehalten in Riga an, können uns schnell orientieren und sogar schon Mittags in unser Hotel, diesmal in einem anderen Viertel, einchecken. Nachdem wir uns frisch gemacht, die nötige Wäche gewaschen, im Hotelzimmer eine Wächeleine gespannt haben, geht es los, die Stadt erkunden. Unser Plan: Etwas umschauen, Abendessen und dann das WM-Finale schauen. Für den Fußballabend hat Silke eine Location etwas außerhalb ausgesucht. In einem alten Fabrikgelände gibt es eine kleine Brauerei. Als wir ankommen gefällt uns die Atmosphäre und wir versichern uns, dass auch Fußball übertragen wird. Die Brauerei Labietes hat ganz aussergwöhnliche Sorten wie etwa ein nach Bloody Marry schmeckendes Bier. Draussen füllt es sich zusehends mit jungen Menschen mit denen wir das Finale anschauen.

Am nächsten Tag wird es weniger fröhlicher, wir gehen ins Lettische Okkupationsmuseum (Latvijas Okupācijas muzejs), das die dreifache Okkupation von der jungen Sowjetunion, Nazideutschland und dann wieder durch die Sowjetunion zum Thema hat. Es hat mir geholfen Lettland und die beiden anderen baltischen Staaten mt einer ähnlichen Erfahrung, etwas besser zu verstehen. Insbesondere die zweite Besetzung durch die Sowjetunion und den vielen Deportationen hat die Menschen geprägt, wie wir ja auch schon in Talinn erfahren haben. Ein eindrückliches Museum, die Rolle Lettischer Einheiten bei der Vernichtung der Juden wurde zwar auch aufgegriffen, ich hätte mir da eine kritischeren Umgang gewünscht.

Von Riga geht es mit dem Bus nach Ventspils, die Etappe danach war sehr verregnet und ich hatte sie ja schon beschrieben. Ab Palanga in Litauen treten wir wieder in die Pedale, in zwei Tagen wollen wir in Klapedia bzw auf der Kurischen Nehrung sein. Unsere erste Station ist in Kraklé an der Steilküste. Auf einem kleinen Campingplatz finden wir ein Plätzchen und wir können noch einen guten Teil des Nachmittags entlang der Steilküste wandern.

Bis nach Klapedia und der Kurischen Nehrung braucht es nur wenige Pedaltritte. Eine Fußgänger/Fahrradfähre bringt uns auf die Nehrung und nun fahren wir weit ab von Autostraßen auf einem hervorragenden Fahrradweg Richtung Nida, kurz vor der Grenze zu Russland. Wir haben Zeit den wunderbaren Strand und Sonnenuntergang zu genießen.

Schon ist unser letzter Tag des Urlaubs angebrochen. Ab 22 Uhr könen wir auf die Fähre, wir haben also ausreichend Zeit, um gemütlich zurück nach Klapedia zu radeln. Wir schauen gleich zu Beginn am Ferienhaus von Thomas Mann vorbei, der seine Sommer von 1930 bis 1932 hier verbrachte. Ein Besuch bei den „Toten Dünen“ steht als nächstes auf dem Programm. Die Dünen haben ihren Namen bekommen, nachdem die Wanderdünen durch Bepflanzung am Anfang der 20 Jahrhunderts nun nicht mehr wandern. Es ist eine einzigartige wüstenähnliche Landschaft, die natürlich auch die Fantasie der Menschen angeregt hat und deren Entstehung durch Legenden erklärt wurde.

Nach einem ausgehenten Strandbesuch wird es langsam Zeit zurück nach Klapedia zu fahren, wir wollen dort noch Abendessen und die Altstadt anschauen. Doch der Weg in die Altstadt ist uns verwehrt, für einen riesigen Umzug sind viele Straßen gesperrt. Wir disponieren um und gehen in ein erreichbares Restaurant und hoffen, dass danach die Straßen frei sind und wir zum Fährhafen kommen. Nach dem leckeren Abendessen suchen wir unseren Weg, doch die Brücke über den Fluss Danes ist offen, eine Schiffsparade fährt gerade in die Altstadt. Wir erfahren nun auch, dass es DAS Fest Klapedia, das Fest des Meeres, ist. Die Altstadt ist voll, an jeder Ecke ist Musik. Uns läuft aber langsam die Zeit davon, wir müssen ja zur Fähre. Wir müssen uns also durch die Menschenmassen schieben, finden einen Weg und kommen zur Fähre, wo wir an allen Autos vorbei direkt aufs Schiff radeln können.

Sobald die Räder sicher verstaut sind können wir in unsere Kabine gehen. Dort erwartet uns eine entspannte Nacht und Tag. Am frühen Abend kommen wir in Kiel an. Als Fahrradfahrende dürfen wir als erstes von der Fähre, dort wartet ein Bus auf uns, dem wir bis zum Ausgang folgen sollen. Nach einem kleinen Spurt zum Bahnhof erreichen wir unseren Zug nach Hamburg.

Busbegleitung bei der Ankunft in Kiel

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